Über die Angst Teil 1 - Ein kurzes Interview

Mehr als 10 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Ängsten und Phobien, nicht mitgezählt all jene, die im Stillen für sich alleine leiden und somit in keiner Statistik erfasst werden. Man kann durchaus sagen, dass Angst allgegenwärtig ist. Ich konnte einen Fachmann auf dem weiten Gebiet der Angst für ein Interview gewinnen und mit ihm einige Fragen besprechen, z.B.:

  • Was ist Angst?
  • Wie entsteht sie?
  • Ist sie immer schlecht?
  • Und vor allem: kann ich Ängste auch wieder loswerden?
Über die Angst
Immer für uns im Dienst: der Angsthase

Herr Angsthase, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch genommen haben. Ich weiß, Sie haben viel zu tun. Vielleicht erzählen Sie und zunächst allgemein etwas zu Ihrem Aufgabengebiet?


"Gerne. Meine Arbeit ist vielschichtig und eigentlich einfach zugleich. Ich sorge dafür, dass bestimmte Reize, Gedanken, Erwartungen oder Situationen eine bestimmte Reaktion auslösen: die Angst. Vor allem bei psychisch bedingten Ängsten ist das so. Es gibt auch Ängste, die durch körperliche Krankheiten, Medikamente oder Drogen ausgelöst werden. Das Interessante an meiner Arbeit ist, dass es so viele verschiedene Ängste und Auslöser dafür gibt, das wird nie langweilig."

 

Können Sie uns bitte etwas näher erklären, wie Ihre Arbeit aussieht?


"Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einem steilen Abhang. Auch wenn Sie schwindelfrei sind, werden Sie sicher nicht so weit nach vorne gehen, dass Sie abstürzen können. Ich sorge hier dafür, dass die Höhe eine gewisse Angst vor dem Fallen in Ihnen auslöst, ich rette Ihnen also das Leben. Oder stellen Sie sich vor, Sie sind als Kind von einem Hund gebissen worden. Das habe ich mir gemerkt und jedes Mal, wenn Sie einen Hund sehen, löse ich Angst in Ihnen aus. Ihr Herzschlag beschleunigt sich und ich stelle Ihnen alle Ressourcen zur Flucht zur Verfügung. Prima Job, oder?"

 

An sich seine tolle Sache, ja. Aber nicht jeder Hund ist gefährlich. Muss ich dann wirklich vor jedem Angst haben? Das ist doch im alltäglichen Leben nicht so praktisch und klingt etwas anstrengend.


"Ob das praktisch ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich mache nur meinen Job. Ich gebe zu, manchmal wünschte ich, dass die Menschen weniger Angst hätten, ich habe doch sehr oft sehr  viel zu tun. Aber ich kann nicht unterscheiden, ob eine Angst zum Überleben notwendig ist oder nicht, daher behandle ich alle Auslöser und Ängste als sehr wichtig. Um beim Beispiel Hund zu bleiben: es kann nicht funktionieren, dass ich den einen Hund als gefährlich und den anderen als ungefährlich einstufe. Was, wenn ich mich irre? Dann werden Sie wieder gebissen. Ich kenne in diesem Fall nur den Auslöser "Hund", und dieser ist mit einem festen Ablauf zur möglichen Flucht oder zur Vermeidung verknüpft."


Das verstehe ich, ich wollte Sie auch nicht kritisieren. Angst ist in vielen Fällen hilfreich und dient dem Schutz und Überleben, die Angst vor dem Fallen aus einer großen Höhe ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Aber sagen Sie, Herr Angsthase, kann ich Ihnen denn auch wieder abgewöhnen, beim Erblicken eines Hundes oder in einer anderen angstbesetzten Situation die beschriebenen Reaktionen auszulösen?


"Ja natürlich, ich bin lernfähig. Bei einer Phobie, also einer Angst vor einem spezifischen Auslöser (z.B. Hund, Spinne, Spritze) können Sie mich jedoch unter Umständen leichter überzeugen als bei allgemeineren Ängsten. Da ist der Auslöser oft gut versteckt und man kann zunächst keinen direkten Zusammenhang erkennen."


Da haben Sie Recht, Herr Angsthase. Als Hypnosetherapeutin kann ich jedoch sagen, dass auch Ängste ohne rational erkennbare Ursache über unsere Emotionen sehr gut zurückzuverfolgen sind.


"Das stimmt, das habe ich auch schon erlebt. Ich...oh, ich muss los. Meine Chefin hat eine Spinne an der Wand entdeckt, es werden Angst, Ekel und Fluchtgedanken gebraucht! Die Pflicht ruft!"

 


Leider war mein Gast schneller verschwunden, als ich "Spinnenphobie" sagen konnte, so dass ich ihm nicht mehr für das Gespräch danken konnte. Aber ich bin sicher, ich werde ihm früher oder später wieder begegnen.


In meinem nächsten Beitrag gehe ich darauf ein, was bei Angst im Gehirn passiert, warum die Hypnosetherapie sehr gut für die Behandlung von Ängsten geeignet ist und welche Arten von Ängsten es überhaupt gibt.

 

Wenn Sie an Ängsten leiden, scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen. Jeder Mensch hat das Recht auf ein angstfreies Leben.

 

 

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