Über die Angst Teil 2 – Formen, Fakten und Behandlung

 

Ergänzend zum Interview mit unserem Angsthasen von letzter Woche möchte ich hier gerne noch ein paar weiterführende Informationen zum Thema Angst weitergeben. Es schadet nie, zu wissen, mit wem (oder was) man es eigentlich zu tun hat. Ich gehe näher auf folgende Fragen ein:

  • Welche Ängste gibt es eigentlich?
  • Was passiert bei Angst im Körper?
  • Warum ist die Hypnosetherapie so gut zur Behandlung von Ängsten geeignet?

Welche Ängste gibt es eigentlich?

Um auf diese Frage zu antworten, lohnt es sich, ein wenig auszuholen.

 

Zunächst gibt es die sogenannte Realangst. Sie besteht im "normalpsychischen Bereich" vor nachvollziehbaren Situationen, zum Beispiel vor einer Prüfung, wenn Schmerz erwartet wird oder vor einer komplett unbekannten und nicht einschätzbaren Situation. Das Wort "normal" ist natürlich ewig diskutierbar und vorsichtig anzuwenden, in diesem Bereich bedeutet es einfach, dass es sich um tatsächlich erkennbare Stress- oder Bedrohungssituationen ohne dauerhafte Einschränkungen oder Vermeidungsverhalten handelt, die die meisten Menschen nachvollziehen können.

 

Die Einteilung der pathologischen (also als krankhaft bzw. behandlungswürdig eingestuften) Ängste geht auf Sigmund Freud zurück. Er unterschied die Phobien und die frei flottierenden Ängste. Diese Einteilung ist auch in der heutigen Klassifizierung erkennbar.

Phobische Ängste werden durch bestimmte Situationen oder Objekte verursacht. Hund und Spinne wurden im letztwöchigen Interview ja schon erwähnt und sind verbreitete Beispiele für spezifische Phobien. Des weiteren gibt es noch die sogenannte soziale Phobie, hier haben die Betroffenen große Ängste, sich in sozialen Situationen wie Essen oder Sprechen in der Öffentlichkeit, Gruppenteilnahmen (z.B. Konferenz, Party, Klassenzimmer) peinlich oder erniedrigend zu verhalten. Ebenfalls den phobischen Ängsten zugeordnet ist die Agoraphobie (Agora = griechisch für Marktplatz, also handelt es sich hierbei um die eigentliche "Platzangst"). Agoraphobie-Patienten entwickeln Ängste in großen Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen; darüber hinaus kann das Alleinreisen eine unüberwindliche Hürde darstellen, genau wie eine Reise an ein weit entferntes Ziel.

 

Bei den frei flottierenden Ängsten treten die Angstreaktionen ohne erkennbaren äußeren Auslöser auf. Hier ist die Panikstörung zu nennen (auf die Panikattacken als solche bin ich in einem früheren Artikel eingegangen), sowie die generalisierte Angststörung. Wie der Name es schon andeutet, beziehen sich die Ängste, Sorgen und Befürchtungen nicht auf bestimmte Situationen, sondern betreffen ganz allgemein alle Bereiche des Lebens. Die Betroffenen leiden unter einer anhaltenden Ängstlichkeit.

 

Was passiert bei Angst im Körper?

Die Angst zeigt sich im Körper auf vier Ebenen:

  • emotional

  • vegetativ

  • kognitiv

  • motorisch

Die emotionale Ebene bedeutet in diesem Modell, dass die Angst dann auftritt, wenn man sich subjektiv in die Enge getrieben fühlt und das Gefühl hat, in der Falle zu sitzen. In der Hypnosetherapie spielt das Gefühl auch eine sehr große Rolle, wie das gemeint ist, beschreibe ich im nächsten Punkt.

 

Auf der vegetativen Ebene entstehen durch den Sympathikus die bekannten Angstreaktionen wie zum Beispiel starkes Herzklopfen, Mundtrockenheit, Schweißausbrüche oder Zittern. Der Körper ist in höchster Alarmbereitschaft.

 

Die kognitive Ebene leidet während einer Angstreaktion ganz schön, dass kann jeder mit großer Prüfungsangst bestätigen: trotz Vorbereitung ist in der Prüfungssituation plötzlich "alles weg", man kann nicht mehr denken. Der Körper ist nur noch bereit für Flucht oder Kampf, der Verstand funktioniert nicht mehr.

 

Die motorische Ebene ist insofern betroffen, dass sich der Muskeltonus erhöht, was soweit gehen kann, dass man vor Angst buchstäblich wie erstarrt ist und da sitzt wie das "Kaninchen vor der Schlange".

 

Warum ist die Hypnosetherapie so gut zur Behandlung von Ängsten geeignet?

Einer behandlungsbedürftigen Angst liegt immer ein Ursprung zugrunde, dieser ist im Unterbewusstsein gespeichert und für uns mit dem logischen Verstand meist nicht nachvollziehbar oder zugänglich. Auch sind die "Wege", die das Gehirn geht, um auf Erfahrungen und die damit verknüpften Emotionen zuzugreifen, oft eher verschlungen als direkt und logisch erklärbar.

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind gerade mal ein paar Wochen alt und liegen in Ihrem Kinderbettchen. Sie schlafen. Sie wachen auf, weil plötzlich alles wackelt. Es ist dunkel, sie haben keine Ahnung, was los ist und reagieren ganz natürlich: mit Angst. Dieses Erlebnis speichert ihr Gehirn ab, es gibt nun viele mögliche Auslöser für Angst: Dunkelheit, das Gefühl, alleine zu sein, das Gefühl nicht zu wissen, was los ist, wackeln. Sie können sich heute an eine solche Situation nicht erinnern, und selbst wenn Ihnen jemand erklärt, dass es nur der Papa war, der bei der Suche nach dem Lichtschalter an Ihr Bettchen gestoßen ist: Ihr Unterbewusstsein hat dieses Erlebnis gespeichert und mit Angstreaktionen verknüpft.

So kann es im späteren Leben dazu führen (ganz wichtig: kann, muss nicht!), dass wenn Sie zum Beispiel im Fahrstuhl stecken bleiben - es wackelt kurz, dann bleibt die Kabine stehen - plötzlich mit Todesangst reagieren. Keiner will im Fahrstuhl stecken bleiben, das ist klar, dennoch ist es kein Ereignis, bei dem man sofort Todesängste ausstehen müsste. Ihr Gehirn kennt die Situation vermeintlich - in diesem Fall das Wackeln - von damals, und reagiert so, wie es damals ablief: mit Angst. Und plötzlich sind Sie emotional wieder wenige Wochen alt, auch wenn Sie sich natürlich nicht bewusst an die Situation von damals erinnern können. Im schlimmsten Fall wird in Ihrem Unterbewusstsein nun auch diese Situation so verknüpft, dass Sie keinen Fahrstuhl mehr fahren können oder generell Probleme in engen, geschlossenen Räumen haben.

 

Diese Szene dient nur als Beispiel, um zu verdeutlichen, wie unser Gehirn funktioniert: es gleicht immer ab, ob es eine Situation schon kennt. Davon bekommen wir nichts mit, so lassen sich aber ganz leicht unsere automatischen Reaktionen erklären. Wie eben auch die Angstreaktion. Das Gehirn bildet so lange wir leben neue neuronale Verbindungen, das funktioniert im Schlechten, aber auch natürlich im Guten: in der Hypnosetherapie gelangen wir mit Hilfe von Emotionen zu den auslösenden Situationen, die im Unterbewusstsein gespeichert sind und können die dort entstandenen negativen Emotionen bearbeiten und in positive Emotionen umwandeln. So bekommen Sie (und Ihr Gehirn ;-)) die Möglichkeit, neue und bessere Verhaltensmuster zu lernen und abzuspeichern.

 

Wenn Sie unter Ängsten leiden, lassen Sie sich beraten und behandeln – denn jeder Mensch hat das Recht auf ein angstfreies Leben. 

 

 

Hier geht es nochmal zu Teil 1 des Interviews